Transparenz · Methodik

Der
Olli's Score

Eine Note 0 bis 10 (visualisiert als 1 bis 5 Balken) sagt dir, wie gut ein Spot gerade läuft. Wir wollen damit nicht die genaueste Surf-Note sein, sondern die ehrlichste: offen gerechnet, ehrlich gedeckelt, mit zugegebenen Grenzen.

Die meisten Forecast-Dienste behandeln ihre Bewertung wie ein Betriebsgeheimnis. Wir machen das Gegenteil: Auf dieser Seite steht das komplette Modell, jeder Schritt, jede Schwelle. Kein Machine-Learning, keine Blackbox, keine Paywall. Du sollst dem Score nicht glauben müssen, du sollst ihn nachrechnen können.

Das Signal

Die vier Stufen

Intern rechnen wir auf einer Skala von 0 bis 10. Angezeigt wird daraus ein Signal aus fünf Balken, wie eine Empfangsanzeige. Je mehr Balken leuchten, desto besser läuft der Spot. Die Farbe markiert eine von vier Stufen:

SchwachScore 0 - 2,5

Kaum surfbar, zu klein, zu kabbelig oder schlicht flat.

OkayScore 2,5 - 5

Geht aufs Wasser, aber mit Kompromissen. Etwas für Geduldige.

GutScore 5 - 7,5

Solide Bedingungen, der Spot läuft, das Brett gehört nass.

EpischScore 7,5 - 9

Alles passt zusammen. Sofort hin, solange es hält.

Die Stufen sind absichtlich grob. Ein Forecast ist kein Präzisions- instrument, eine Tendenz „gut“ statt einer Schein-Genauigkeit wie „7,4“ ist ehrlicher und im Wasser auch nützlicher.

Das Modell

Potenzial, minus Abzüge

Der Olli's Score ist kein glatter Durchschnitt, der schlechte Werte schönrechnet. Er funktioniert wie die Realität im Wasser: Erst entsteht ein Potenzial aus vier Wellen-Faktoren, dann deckelt der Wind das Ergebnis und am Ende dämpft das Wetter (Gewitter, Regen) multiplikativ. Wind und Wetter können den Score nur nach unten ziehen, nie heben. Jeder Abzug wird dir offen ausgewiesen.

1

Potenzial

Ein gewichtetes Mittel aus vier Wellen-Faktoren (Wellenhöhe, Swell-Richtung, Gezeit, Saison) ergibt das Potenzial: was der Spot bei sauberem Wind und Wetter hergäbe. Ehrlich gedeckelt bei 9,0.

2

Wind deckelt

Der Wind kann das Potenzial nur nach unten ziehen, nie heben. Ein Onshore-Sturm macht auch perfekten Swell unsurfbar, der Abzug wird sichtbar ausgewiesen.

3

Wetter dämpft

Gewitter und kräftiger Regen ziehen den Score zusätzlich nach unten, multiplikativ (Faktor 0,50 bis 0,95 je nach WMO-Code). Perfekte Welle plus Gewitter ist kein epischer Tag, auch dieser Abzug steht offen da.

Die Formel in einer Zeile

Score = min(Potenzial, Wind-Deckel) × Wetter-Dämpfer

Beispiel: Wind zerbläst das Potenzial

Ein Spot hat schöne 1,5 m Welle bei 12 s Periode, die Swell-Richtung passt, die Halbtide auch. Daraus ergibt sich ein Potenzial von 6,4. Aber der Wind kommt auflandig mit 30 km/h und zerbläst die Faces, der Himmel ist klar.

min(6,4 · 4,3) × 1,00 = Score 4,3

Ergebnis: Score 4,3 → Stufe Okay. Der Wind hat 2,1 Punkte sichtbar abgezogen.

Beispiel: Gewitter zieht zusätzlich runter

Gleicher Tag, aber zur Welle und zum Wind kommt ein Gewitter (WMO 95). Der Wetter-Dämpfer steht jetzt bei 0,65.

min(6,4 · 4,3) × 0,65 = Score 2,8

Ergebnis: Score 2,8 → Stufe Okay (knapp). Genau diese Aufschlüsselung, Potenzial minus sichtbarem Wind- und Wetter-Abzug, steht auch live auf jeder Spot-Seite, jeder Sub-Score als „X.X/10" daneben.

Ehrlich gedeckelt

Warum es keine glatte 10 gibt

Der Olli's Score kommt aus einem Rechen-Modell, nicht von einem Menschen, der vor Ort eine Surf-Cam ausgewertet hat. Ein Modell kann nicht sehen, ob die Sandbank heute perfekt liegt. Darum deckeln wir den Score bewusst bei 9,0.

Eine glatte 10 müsste jemand wirklich gesehen haben. Lieber eine glaubwürdige 8,5 als eine 10, die niemand verantworten kann, das ist ehrlicher als die Spitzen-Ratings, die andere Dienste ihr Modell allein vergeben lassen.

Das Potenzial

Vier Faktoren, ein Potenzial

Schritt 1, das Potenzial, ist ein gewichtetes Mittel aus vier Wellen-Faktoren. Jeder bekommt für sich 0 bis 10 Punkte; die Wellenhöhe zählt am meisten, Gezeit und Saison geben den Feinschliff. Fehlt für einen Faktor der Wert, fällt er aus der Rechnung, nie als Minuspunkt. Der Wind ist bewusst nicht dabei: er ist kein Summand, sondern deckelt das Ergebnis im nächsten Schritt.

Wellenhöhe

Der dominante Faktor, gemessen gegen das Optimal-Fenster des Spots. Wichtig: die Wellenperiode deckelt ihn. Kurze Windsee (<7 s) ist kraftlos, egal wie hoch die Welle steht; echter Groundswell beginnt ab ~11 s.

Gewicht3 / 7 · 43%

Swell-Richtung

Wie genau der Swell aus der idealen Richtung des Spots anläuft. Bis 15° Abweichung volle Punkte, ab 90° kommt vom Swell praktisch nichts mehr an.

Gewicht2 / 7 · 29%

Gezeit

Passt der aktuelle Tidenstand (Ebbe, Halbtide, Flut) zum bevorzugten Stand des Spots. Diesen Vorzug pflegen wir spot-für-spot; ist er gesetzt, fließt die Gezeit ehrlich in den Score ein und das UI sagt klar, ob es passt („Tide passt: Halbtide“) oder nicht („Tide Ebbe, ideal: Flut“). Fehlt der Vorzug, fällt der Faktor aus der Rechnung und das UI sagt das offen.

Gewicht1 / 7 · 14%

Saison

Liegt der aktuelle Monat in der erfahrungsgemäß besten Saison des Spots, ein langfristiges Plausibilitäts-Signal.

Gewicht1 / 7 · 14%

Die Sub-Scores im UI

Auf jeder Spot-Seite siehst du diese vier Wellen-Faktoren als Sub-Scores in der Form X.X/10 nebeneinander: waveScore (Höhe, von der Periode gedeckelt), directionScore (Swell-Richtung), tideScore (Gezeit vs. Vorzug), seasonScore (Saison-Kontext). Daneben stehen die beiden Abzüge: Wind-Penalty und Wetter-Penalty, beide ebenfalls in Punkten ausgewiesen, damit du in einer Zeile siehst, woher der Score kommt.

Verlässlichkeit

Wie sicher der Score ist

Nicht jeder Score ist gleich belastbar, und das sagen wir dazu. Auf jeder Spot-Seite steht neben der Aufschlüsselung eine kurze Verlässlichkeits-Angabe:

  • Spot-kalibriert, der Spot hat hand-gepflegte Optimal-Werte (Wellenfenster, ideale Swell- und Wind-Richtung). Ohne diese rechnet der Score mit generischen Standard-Annahmen und ist gröber.
  • Gezeit, fließt nur dann in den Score ein, wenn wir für den Spot einen Tide-Vorzug gepflegt haben. Aktuell ist das bei ca. 65 von 845 Spots der Fall, wir bauen den Bestand laufend aus. Fehlt der Vorzug, lässt das UI den Faktor offen aus („Tide nicht im Score, kein Vorzug gepflegt“) statt eine Pseudo-Sicherheit zu suggerieren.
  • Hohe Verlässlichkeit gibt der Score sich selbst nie. Ohne Forecaster vor Ort bleibt es eine Modell-Rechnung, „mittel“ ist die ehrliche Obergrenze.

Die Rohdaten

Woher die Zahlen kommen

Wellenhöhe, -periode, Swell-Richtung, Wind, Gezeit und WMO- Wettercode (für den Wetter-Dämpfer) ziehen wir aus den Open-Meteo Marine- & Forecast-APIs. Das sind offene, weltweite Wetterdaten unter CC-BY 4.0, frei lizenziert, unabhängig, ohne ToS-Risiko. Wie genau die Wellenhöhen-Prognose im Schnitt trifft, kannst du auf /accuracy tagesaktuell nachschauen.

Forecast-Werte sind Modell- rechnungen, keine Messungen. Sie können daneben liegen, und je weiter ein Tag in der Zukunft liegt, desto unsicherer wird er. Wir cachen die Daten kurz (ca. 1 Stunde), du siehst frische Werte, ohne dass wir die Quelle überlasten.

Ehrlich gesagt

Was der Score nicht kann

Transparenz heißt auch, die Grenzen zu nennen. Der Olli's Score ist eine Entscheidungshilfe, kein Orakel:

  • Lokales Wissen schlägt jeden Score. Strömungen, Sandbänke, Riff-Beschaffenheit, Crowd und die genaue Tide-Phase vor Ort fließen nicht ein, frag im Zweifel jemanden, der den Spot kennt.
  • Es ist eine Heuristik, kein KI-Modell. Ein bewusst einfaches Punktesystem. Das macht es nachvollziehbar, aber auch gröber als das Bauchgefühl eines erfahrenen Locals.
  • Manche Spots sind noch nicht hand-kuratiert. Fehlen die spot-eigenen Optimal-Werte (Wellenfenster, Swell-Richtung, Wind-Richtung, Tide-Vorzug), rechnet der Score mit generischen Standardwerten und ist entsprechend ungenauer, die Verlässlichkeits-Angabe sagt es dir.
  • Tide-Vorzüge erweitern wir laufend. Ca. 65 von 845 Spots haben aktuell ein gepflegtes „best_tide“, beim Rest fällt der Tide-Faktor aus der Rechnung und das UI sagt das offen.
  • Sicherheit ist nicht Teil der Formel. Ein hoher Score heißt „läuft gut“, nicht „ist sicher für dich“. Das bleibt deine Einschätzung.

Score im Einsatz sehen

Genug Theorie, schau dir die Live-Scores der Flaggschiff-Spots an oder spring direkt auf die Surf-Karte.